Wenn der Anlageberater ein Algorithmus ist

27.04.2022  — Malte Struckmann.  Quelle: Verlag Dashöfer GmbH.

Wenn Sie bei dem Begriff Robo-Advisor an seinen blank polierten rechtschaffenden Cousin Robo-Cop denken, dann ist das weit gefehlt. Beim Robo-Advisor geht es weniger um Halunken, als vielmehr um Algorithmen und Finanzen. Denn dieses Tool soll dem gemeinen Geldanleger automatische Empfehlungen zur Vermögensanalage geben.

Was ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor ist ein hochentwickeltes Programm, das sich auf der Basis von Algorithmen und wissenschaftlichen Erkenntnissen um die Verwaltung der Investments von Anlegern kümmert. In der Regel werden diese digitalen Vermögensverwalter von Finanzdienstleistern angeboten, um kostengünstig kleinere Depots zu verwalten.

Der Robo-Advisor verhält sich entsprechend der Vorgaben, die der Kunde bei der Registrierung gemacht hat. So wird beispielsweise nach Parametern wie der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und den Vermögensverhältnissen gefragt. Auf Basis dieser Kriterien stellt der Robo-Advisor ein Portfolio zusammen. Je höher dabei das Risiko ist, desto höher die Rendite. Der Robo-Advisor beobachtet jederzeit den Aktienmarkt und berechnet, wann welche Anpassungen im Portfolio notwendig sind. Basierend auf den Kriterien, die der Kunde angegeben hat, werden entsprechende Anlagestrategien verfolgt: Bei einer defensiven Anlagestrategie fließt das Kapital des Anlegers in ETFs, Anleihen und Immobilienfonds. Hat der Anleger eine höhere Risikobereitschaft angegeben, dann wird eine ausgewogene Anlagestrategie verfolgt und das Kapital fließt gleichermaßen in sichere Anlageprodukte und Anlageprodukte, die eine höhere Rendite versprechen, aber dem entsprechend auch mehr Risiko beinhalten. Bei einer offensiven Anlagestrategie wird so investiert, dass die Aktienanteile des Kunden überwiegen.

Die meisten Robo-Advisors investieren in sogenannte passive ETFs (Exchange Traded Funds). Dies sind Indexfonds, die einen bestehenden Aktienindex – wie den DAX – 1:1 nachbilden. Da ETFs passiv sind, also nicht verwaltet werden, sind sie kostengünstiger. Im Unterschied zu aktiven Fonds versuchen ETFs nicht, den Markt zu übertreffen, sondern bilden nur die Wertentwicklung eines bestehenden Aktienindexes so exakt wie möglich nach. Außerdem werden in ihnen viele Aktien verschiedener Unternehmen gebündelt, so dass bei der Geldanlage breiter gestreut und das Risiko minimiert werden kann.

Vor- und Nachteile des digitalen Vermögensverwalters?

Robo-Advisors erweisen sich als komfortabel, wenn der Kunde wenig Zeit hat, sich um seine Geldanlagen zu kümmern. Auch erleichtern sie für Menschen mit entsprechend wenig Wissen den Zugang zur professionellen Vermögensverwaltung. Außerdem sind Robo-Advisors verhältnismäßig günstig, die meisten verlangen nur eine Gebühr von 0 bis 1 % des zu verwaltenden Vermögens und es wird auch nicht immer eine Mindestanlage verlangt. Der psychologische Vorteil eines digitalen Vermögensberaters ist, dass der Faktor der menschlichen Fehlbarkeit und emotional getriebener Investitionen komplett entfällt. Nachteilig ist allerdings, dass es keinen menschlichen Berater gibt, der Empfehlungen aufgrund der individuell persönlichen Lebensumstände geben kann. In letzter Instanz gilt also, dass man sich über die Vorstellungen seiner Geldanlage im Klaren sein sollte, bevor man sein Vermögen den Algorithmen überlässt.

Quellen und Hintergründe:

Kennen Sie schon unseren neuen News­letter Digitalisierung aktuell?

Bild: luis gomes (Pexels, Pexels Lizenz)

nach oben